Holzkohle, Pflanzenkohle, Biokohle und der Einsatz im Garten

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Moderator: Kiko63505

Holzkohle, Pflanzenkohle, Biokohle und der Einsatz im Garten

Ungelesener Beitragvon Kiko63505 » 10. Mai 2012 20:09

Hallo in die Runde,

Holzkohle im Garten, der neue alte, oder müsste es heißen der alte neue Trend, Holzkohle wurde nämlich schon vor vielen Jahren im Garten verwendet. Holzkohle im Garten findet derzeit wieder großen Anklang. Wirklich verwunderlich allerdings ist das nicht, denn die Holzkohle hat vielsprechende Eigenschaften, die man im Garten hervorragend nutzen kann und sollte. Holzkohle wurde schon um 1880/90 in deutschen Gärten eingesetzt, wobei der Einsatz zum einen zu teuer war, man benötigte die Kohle zum kochen und zum anderen hielt der Kunstdünger Einzug in Deutschland.

Holzkohle kennt so ziemlich jeder von uns, diese wird fast ausschließlich zum Grillen genommen. Der Einsatz in Filtern, Munition (Schwarzpulver) und in der Medizin ist da schon etwas weniger bekannt, aber auch hier wird Holzkohle verwendet. Im Privatbereich wird Kohle zB. oft in Filtern von Dunstabzugshauben verwendet.

Im Prinzip eignen sich alle Materialien, aus biologischer Herkunft, um Kohle herzustellen, siehe hier.

Was ist Holzkohle?

Holzkohle ist ein fester Brennstoff und entsteht, wenn lufttrockenes Holz (auf 13 bis 18 % Wasser getrocknet) unter Luft­abschluss oder ohne Sauerstoff­zufuhr auf 275 °C erhitzt wird ... nachzulesen bei Wikipedia
Holzkohle / Pflanzenkohle ist somit verkohltes Holz, oder sonstiges biologisches Material, was unter Sauerstoffausschluss erhitzt wurde. Zurück bleibt ein Stück schwarze Kohle, die hauptsächlich aus Kohlenstoff besteht, ca. 80 bis 90%. In dieser Kohle ist der gesamte CO² Gehalt gefangen, welchen die Pflanze zu Lebzeiten aufgenommen hat. Hier bleibt dieses CO² hunderte oder gar tausende von Jahren gefangen und könnte somit unser Klimaproblem zumindest mildern.

Warum Holzkohle aber im Garten anwenden?

Ich will hier einmal die Holzkohle mit einem Schwamm oder einem "Berg von Schaum" vergleichen. Sowohl ein Schwamm, als auch Schaum, besteht aus sehr sehr vielen Hohlräumen die miteinander skelettartig verbunden sind. Bei der Kohle ist dieses ebenso, nur in viel kleinerem Maßstab. Die Kohle ist schlichtweg durchlöchert und porös. Diese winzigen Hohlräume stellen eine Eigenschaft da, die wir uns im Garten und in Pflanztöpfen zu Nutze machen können.
Kohle nimmt, ähnlich einem Schwamm, Feuchtigkeit aus der Umgebung auf und speichert diese in diesen Hohlräumen. Im Garten bedeutet das nichts anderes, als dass das Wasser im Boden, länger den Pflanzen zur Verfügung steht. Wir müssen weniger gießen und die Pflanzen haben weniger Trockenstress.
Wasser zu speichern aber ist nur eine Eigenschaft von der Holzkohle. Sie bietet den bodenbürdigen Bakterien eine Heimat, von welcher die Bakterien sehr gerne Gebrauch machen. In diesem "Bakterienhaus" können Bakterien auch Trockenheit längere Zeit überstehen, was später einer schnelleren Besiedlung des Bodens dienlich ist. Auch das ist für uns Gärtner ein großer Vorteil, wird doch auf diese Weise die Zersetzung von Biomaterial (Mulch zB.) schneller in die Wege geleitet, was wiederum der schnelleren Verfügbarkeit von natürlichem Dünger dient. Nutznießer sind hier wieder die Pflanzen, die es uns mit gesundem Wachstum danken werden.
Damit noch immer nicht genug, Holzkohle hat noch eine Besonderheit, hier will ich es mal als "elektrisches Magnet" nennen. Wer mehr darüber wissen möchte kann hier nachlesen.
Dieses "elektrische Magnet" ist in der Lage Pflanzenverwertbare Nährstoffe zu speichern. Diese Fähigkeit kommt wiederum den Pflanzen zu gute, denn die gespeicherten Nährstoffe können langfristig und gleichmäßig an die Pflanzen abgegeben werden. Nährstoffe, die ohne diese Kohle, sinnlos ausgewaschen werden. Diese Nährstoffe landen früher oder später im Grundwasser und genau da gehören sie nicht hin. Dünger im Grundwasser ist nicht gut für unsere Umwelt und warum sollte man Geld für Dünger verschenken, wenn ich diesen mit der Holzkohle speichern kann.

Die Kohle im Boden.

Generell sollte man Holzkohle vor dem ausbringen im Garten "Aufladen", denn die frische Holzkohle ist derart hungrig nach Nährstoffen, das kaum eine Pflanze diesen Hunger überleben würde. Am sinnvollsten gibt man die frische Holzkohle in den Komposter, hier gibt es genug Nährstoffe und genug Zeit das sich das "System Holzkohle" aufladen kann. Aufladen bedeutet lediglich, dass sich die Holzkohle so viel Nährstoffe holt, wie es Ihre Speicherkapazität zulässt. Mit der nächsten Kompostgabe wird automatisch auch geladene Kohle ausgebracht und nach und nach reichert sich der Boden mit der Kohle an.
Alternativ kann man Holzkohle und Kompost 1:1 mischen und einige Tage in einem Gefäß lagern. Dieser Mischung muss Regenwasser beigefügt werden, das ganze sollte recht flüssig sein. Sauerstoff ist für diesen Vorgang wichtig, es empfiehlt sich diese Mischung täglich 2 mal um zu leeren. Man schüttet einfach die Masse von einem Gefäß in ein anderes, das Ganze mit Schwung und aus einer angemessenen Höhe. So wird garantiert genug Sauerstoff mit in die Mischung gelangen.
Das Endprodukt ist eine Mischung aus Kompost und aufgeladener Holzkohle, diese Mischung kann man zu den Pflanzen geben und sie ist sofort aktiv. Es versteht sich von selbst dass man dieses Gemisch ein wenig einarbeitet und vor allen Dingen nicht mit der Menge übertreibt.

Flüssigdünger wäre eine weitere Möglichkeit um Kohle aufzuladen.

Wichtig: Zu Aufladen der Kohle bitte nur biologischen Dünger benutzen, Düngesalze aus der Chemie tun weder der Kohle noch der Umwelt gut.

Lange habe ich überlegt wie klein die Kohle sein sollte und wo im Boden die Kohle am besten aufgehoben ist.
Ich denke die Kohle sollte so klein als irgend möglich sein, Sandkorngröße oder kleiner. Größere Stücke sind natürlich nicht schlechter, aber die kleine Kohle lässt sich besser in den Boden einarbeiten und diese wird/kann dann sogar von den Würmern gefressen werden. In diesem Fall wird die Staubfeine Kohle in den Wurmhumus fest mit eingebaut, besser könnte es gar nicht sein.
Bei der Frage wo im Boden, würde ich auf die ersten 10 cm bis zu den unteren Wurzeln tippen, Grund hierfür ist die Frage, wo kommt der Dünger her. Dünger wird in der Regel mit dem Wasser langsam von oben nach unten gespült.
In der Regel geben wir unsere Düngegaben auf den Boden oder arbeiten diesen leicht ein. Mit Düngegaben meine ich Kompost, Mulch oder Jauchen. Jauchen haben Nährstoffe in flüssiger Form, diese werden auch sofort nach unten in den Boden geleitet. Mulch und Kompost hingegen sind so was wie Langzeitdünger, Nährstoffe werden so nach und nach durch die Bodenbewohner freigesetzt. Dieser Prozess ist stark abhängig von der Bodentemperatur und dauert in der Regel 2 Jahre. Diese freigesetzten Dünger gehen mit dem nächsten Regen, oder dem nächsten bewässern, mit ins Erdreich und gelangen so zu den Wurzeln. Alles was die Wurzeln nicht verarbeiten können, wird beim nächsten Wasser tiefer ins Erdreich gespült usw. usw. Irgendwann ist dann der Dünger außerhalb der Reichweite der Wurzeln und kommt irgendwann in einem Gewässer wieder zum Vorschein.
Befindet sich nun Staubfeine Kohle im Erdreich und diese ist flächen mäßig als auch tiefen mäßig gut verteilt, kann man sich leicht vorstellen was dann passieren muss. Ein Großteil des nährstoffreichen Wassers passiert zwangsläufig diese Kohle und diese Kohle nimmt einen Teil des Wassers und der Nährstoffe auf. Weitere Nährstoffe kommen zu den Pflanzenwurzeln und zum versickern stehen nun viel weniger Nährstoffe zur Verfügung.

Info: Kompost ist als Dünger mit das beste was es gibt, nachteilig aber ist die langsame Wirkung.

Wer immer sich nun für Holzkohle entscheidet, sollte diese nur kaufen, wenn diese aus Holz von Einheimischen Wäldern stammt. Alternativ kann man Pflanzenkohle selbst herstellen, siehe hier.
in bester Absicht, euer Kiko63505

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