Mein (Thermo)Komposter

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Moderator: Kiko63505

Mein (Thermo)Komposter

Ungelesener Beitragvon Kiko63505 » 8. Februar 2012 07:25

Hallo Kompostfreunde!

Wer immer in der Lage ist, Kompost selbst zu erzeugen, sollte dieses auch tun, nicht umsonst heißt der Kompost auch
"das schwarze Gold des Gärtners" .

Eigener Kompost birgt viele Vorteile:
1) man hat einen kostenlosen "Langzeit" Dünger und man weiß was im Kompost entsorgt wurde.
2) Die Ausgaben für Kaufdünger gehen gegen Null, nur wer Dünger kauft, weiß wie teuer dieser sein kann.
3) Der eigene Garten wird nicht überdüngt und keine Chemie gelangt ins Grundwasser oder auf den eigenen Tisch.
4) Einsparung von Energiekosten die durch die Biomüllentsorgung entsehen.
5) Kompost fördert das überaus wichtige Bodenleben.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß kompostieren recht einfach ist, allerdings habe ich 2 Jahre gebraucht bis ich den Sinn verstanden habe. Beschreibungen, wie man richtig kompostiert, gibt es zu Hauf im Internet und in vielen Foren und dennoch gibt es immer wieder Fragen zu diesem wichtigen Thema.

Der Vorgang beim kompostieren ist äuserst kompliziert und wird ausschlieslich von Klein- und Kleinstlebewesen ausgeführt. Diese Tiere sind kaum sichtbar, zB. Milben und Springschwänze, oder sie sind garnicht sichtbar, zB. Bakterien. Auf Grund Ihrer Größe werden genau diese Tiere vernachlässigt, aber genau diese Tiere brauchen artgerechte Lebensbedingungen.
Ein liebgewonnenes Haustier bekommt alles was es braucht, oftmals sogar im Überfluss und das kostet meistens viel Geld. Tierarztkosten wollen wir hier mal außen vor lassen.
So ein Kompostbewohner dagegen ist recht preiswert, unter den richtigen Bedingungen kostet dieser mal einige Minuten Arbeitszeit in der Woche, die jeder Gärtner sicherlich übrig hat.
Die Lebensbedingungen der Kompostbewohner bestehen aus Kompostmaterial (zerkleinerten Garten- und Küchenabfälle), aus Sauerstoff, aus Wasser und aus der richtigen Temperatur. Die Kompostbewohner gehören der Gewerkschaft "Natur" an und streiken wenn eine der genannten Bedingungen nicht stimmt. Wird eine der genannten Bedingungen auf längere Zeit entzogen, wandern die Kompostbewohner aus oder sie sterben. Übrig bleibt dann ein trockener Komposthaufen, in welchem keine Rotte mehr statt findet oder aber ein nasser stinkender Komposthaufen, in welchem sich anaerobe Bakterien breitmachen.
Futter und Temperatur sind in der Regel genug vorhanden, wobei die Temperatur in den Wintermonaten nicht optimal ist. In den Wintermonaten verlangsamt sich die Rotte oder sie kommt zum Stillstand.

Sauerstoff
Sauerstoff brauchen die Kompostbewohner ebenso wie wir Menschen auch, ohne Sauerstoff kein Leben. Der Sauerstoff im Boden oder im Komposter nimmt in zunehmender Tiefe rapide ab, die Eindringtiefe beträgt ca. 30cm. Weiterhin wird der Sauerstoffgehalt noch vom vorhanden Wasser im Kompost beeinflusst. Zu Viel Wasser verhindert den Sauerstofftransport und es entstehen Zonen für Fäulnisbakterien, man kann es förmlich riechen.

Wasser
Ein Fisch ohne Wasser liegt sprichwörtlich auf dem Trockenen und wird alsbald verenden. Bakterien im Kompost sind keine Wandergesellen, sie "schwimmen" wenn sie von A nach B wollen, schwimmen ist die einzige Fortbewegungsmöglichkeit für Bakterien. Zur Fortbewegen brauchen die Bakterien einen hauchfeinen Wasserfilm, welcher sich auf allen Kompostanteilen befinden muss oder sollte. Fehlt dieser Wasserfilm, so ergeht es den Bakterien wie den Fischen auf dem Trocknen, sie verenden früher oder später. Bakterien aber stehen am Anfang einer Verrottung, fehlt also Wasser, fehlen die Bakterien und es findet keine Verrottung statt.
Der Wasseranteil im Kompost sollte in etwa 25% betragen, vergleichbar mit einem feuchten Handtuch oder einem feuchtem Schwamm.

C/N Verhältnis
Das C/N Verhälltnis sagt uns etwas über das Verhältnis zwischen Kohlenstoff und Stickstoff zueinander, wobei ein günstiges Ausgangsverhältnis 25 bis 35:1 sein dürfte. Der nachfolgende Link sagt euch genaueres über das C/N Verhältnis und liefert zugleich ein Liste mit Kompostmaterialien und deren C/N Verhältnis. Mit etwas Übung hat man hier schnell einen groben Überblick und dieser sollte uns beim befüllen eines Komposters immer vor Augen sein.

Komposter
Aus Platzgründen steht in den meisten Gärten ein Thermokomposter, bei mir ist das nicht anders. So ein Thermokomposter fügt sich meist harmonisch in den Garten und das Umfeld ein und ist eine saubere Sache. Ein Thermokomposter ist zwar nicht die beste Wahl, aber man kann problemlos damit Humus herstellen. Die beste Lösung wäre genug Platz wo man das Ausgangsmaterial aufschichten könnte und die Natur Ihre Aufgabe verrichten könnte.

Heißrotte
Das Wort Heißrotte steht fast immer mit einem Thermokomposter im Zusammenhang und wird aus meiner Sicht ein wenig überbewertet. Heißrotte hat zwar den Vorteil, daß unerwünschter Samen, welcher zwangsläufig im Komposter landet, vernichtet wird, aber das funktioniert in einem Thermokomposter nur sehr mangelhaft. Thermokomposter sind für eine Heißrotte viel zu klein und bieten zu viel Fläche zum abkühlen der Heißrotte. Wenn überhaupt eine Heißrotte stattfindet, so dann nur im Zentrum des eingebrachten Materiales.
Es gibt Abhandlungen in welchen die Heißrotte sogar als "schlecht" bezeichnet wird, man geht dabei von der Zerstörung wichtiger Eiweißstoffe aus. Alles hat eben Vor- und Nachteile.

Feucht, trocken, grün und braun
Beim befüllen eines Komposters sollte man darauf achten, dass nicht zu viel eines Ausgangsmaterials auf einmal in den Komposter gegeben wird. Auf feuchtes Material sollte trockenes Material folgen, auf grünes Material sollte braunes folgen. Nach Möglichkeit sollte das Kompostmaterial zerkleinert werden und es sollte strukturreich sein. Strukturreich bedeutet in diesem Fall auch grobes Material muss mit in den Komposter, grobes Material bildet wichtige Hohlräume für Sauerstoff und Kleingetier. Ebenfalls wird mit dem groben Material einer Verdichtung des Kompostes entgegengewirkt.

Möglicherweise war es bis jetzt langweilig, aber das ist oft so bei Trockenübungen.

Wie befülle ich meinen Komposter.
Im ersten Jahr habe ich so ziemlich alle Fehler gemacht, die man machen konnte, zu allem Überfluss habe ich mir noch gesagt "es wird schon werden". Einer der größten Fehler war das einbringen von zu viel frischem Rasenabschnitt. Zuerst wurde der Komposter sehr sehr heiß und irgendwann, viel später, hatte ich eine einzige Matschepampe im Komposter. Es hat mich viel Mühe gekostet diese Matschepampe wieder aufzulockern. Eine letzte Möglichkeit meinen Komposter auf Trab zu bringen war dann Kompostbeschleuniger, aber auch dieses Unterfangen hat sich nicht gerechnet. Kompostbeschleuniger ist aus meiner heutigen Sicht nicht notwendig und kostet nur Geld.
Im letzten Jahr dann habe ich alles anders gemacht. Ich habe mir gleich zur Gartensaison einen Kompoststab gekauft, aus meiner Sicht ein unverzichtbares Teil. Mit diesem Kompoststab wird der Inhalt eines Thermokomposter in nur wenigen Minuten aufgelockert und belüftet.

Der Kompoststab selbst hat Ähnlichkeit mit einem Spazierstock, deutlich zu erkennen auf dem folgenden Bild.

Bild

Der wichtigste Teil des Kompoststabes ist die bewegliche Kralle am Fuße des Stabes. Beim Eintauchen in den Kompost legen sich diese Krallen eng an den Stab, so das ein leichtes eintauchen in das Kompostmaterial möglich ist. Nachdem eintauchen wird der gesamte Stab etwas nach rechts oder links verdreht.

Bild

Der Kompoststab und ich im Einsatz, siehe hier

Alles was im Garten oder in der Küche an Kompostmaterial angefallen ist, wurde einfach im Komposter abgelegt, größere Sachen wurden etwas zerkleinert. Ich achtete nicht mehr auf C/N oder feucht, trocken und grün und braun. Rasenabschnitt wurde 1 bis 2 Tage getrocknet und kam dann erst in den Komposter. Wöchentlich habe ich mit dem Kompoststab den Komposterinhalt durchwühlt und somit wurde auch C/N und feucht/trocken/grün/braun immer schön vermischt. Es bildeten sich keine Nester mehr und der Kompostinhalt verrottete sehr schnell. Mein Komposter fing an zu leben, es fanden sich allerhand Kompostbewohner ein und die Welt war in Ordnung.
In einem kleinen Garten hat man nie genug Bioabfall und mein Komposter wollte einfach nicht voll werden. Da ich auf dem Lande wohne, ein Pferdestall nicht weit weg ist, war schnell klar was ich machen musste. 3 mal habe ich mir Pferdemist besorgt, es dürften jeweils 100 Liter gewesen sein und diesen in meinem Komposter eingebracht. Weiterhin habe ich den Kompostinhalt wöchentlich mit dem Kompoststab bearbeitet und immer auf die richtige Feuchtigkeit geachtet, fast immer musste ich nachbefeuchten. Im Herbst hatte ich dann allerbesten Kompost.
Ein 2ter Komposter wurde angeschafft und noch im letzten Jahr gut gefüllt.
In diesem Jahr ist Rasenabschnitt bei mir Mangelware, die Rasenfläche ist die gleiche geblieben, aber ich lasse den Rasenabschnitt sehr oft auf dem Rasen liegen. Mein Rasen ist mittlerweile sehr dicht und dankt es mir mit schönem grün, einige Euros habe ich dadurch auch schon sparen können, denn ich brauche viel weniger Dünger.
Im letzten Herbst habe ich einige Säcke Laub gesammelt, welches ich als Winterschutz für empfindlichen Pflanzen benutzt habe. Diese Laub wurde im Frühjahr in Säcke gepackt und zwischengeparkt. Brauche ich mal wieder Rasenabschnitt für den Komposter, so streue ich eine Sack Laub über die Rasenfläche und mähe erst dann. Der Rasenabschnitt wird gleich mit dem Laub gemischt, das Laub wird zerkleinert und alles kann sofort in den Komposter.

Kompostzugaben
Nach ca. 10 bis 15 cm Schichthöhe füge ich nach Gefühl Gartenkalk, Gesteinsmehl, Bentonit und Hornspähne hinzu. Mit der Kalkmenge sollte man sehr sparsam sein, vom Gesteinsmehl und vom Bentonit darf es dann etwas mehr sein, beides kann keinen Schaden anrichten. Hornspähne helfen die Zersetzung zu regulieren, die Menge an groben Hornspähnen ist abhängig vom Holzanteil im Komposter, viel holziges = mehr an Hornspähne.
Generell allerdings gilt das man mit weniger oftmals mehr erreicht.

Düngewert im Mittel bei Kompost aus dem Garten

NPK 0,50-0,27-0,81 Kompost
NPK 0,60-0,40-0,50 Kuhdung
NPK 0,70-0,30-0,60 Pferdemist
NPK 1,39-0,84-2,28 Wurmhumus

Meine Art zu kompostieren ist sicherlich nicht das Maß aller Dinge, aber ich verzeichne mit meiner Methode sehr gute Erfolge. Meine Beschreibung soll auch nur als Denkanstoß dienen und nicht jeder Garten ist gleich.
Als Wichtig allerdings möchte ich euch das richtige Verhältnis Sauerstoff und Feuchte ans Herz legen, denn hierin liegt das Geheimnis eines guten Kompostes.

Kiko
in bester Absicht, euer Kiko63505

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Re: Mein (Thermo)Komposter

Ungelesener Beitragvon Kiko63505 » 1. Juni 2012 18:46

Hallo in die Runde,

In Sachen Kompost habe ich einen Video gefunden, welches sich lohnt anzusehen. Der Kompost in diesem Film wird auf einer Miete kompostiert und ich denke ...
...schaut es euch hier an.
in bester Absicht, euer Kiko63505

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