Eignung von Lumbricus rubellus für Wurmkompostierung?

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Eignung von Lumbricus rubellus für Wurmkompostierung?

Ungelesener Beitragvon Jördson » 30. Dezember 2015 19:02

Ich habe gelesen, dass Lumbricus rubellus als sehr geeignet für die Wurmkompostierung angesehen wird. Das Temperaturoptimum liegt bei ca. 10,6 °C (Quelle: Wikipedia Lumbricus rubellus deutsch u. englisch). Bei Eisenia fetida und Eisenia andrei liegt das Temperatur-Optimum höher im Bereich von 20 – 25°C.
In meinem Indoor-Wurmkomposter habe ich einen Mix aus Eisenia fetida, Eisenia andrei und Eisenia hortensis (Synonym: Dendrobaena veneta). Etwa ab 15°C läuft die Umsetzung von neuem Futter merklich langsamer, bei 10 - 5°C kommt sie fast zum Stillstand.
Für einen Wurmkomposter, der draußen (Garten) oder im unbeheizten Raum (Keller etc.) steht wäre doch Lumbricus rubellus gut geeignet (solange der Komposter kühl u. schattig und gelegen ist und keine Heißrotte stattfindet).

Hat jemand Erfahrungen mit der Eignung von Lumbricus rubellus für Indoor-/Outdoor-Wurmkomposter?

Gibt es diese Würmer in Deutschland irgendwo zu kaufen? Im Internet finde ich fast nur Eisenia fetida und Eisenia hortensis.
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Re: Eignung von Lumbricus rubellus für Wurmkompostierung?

Ungelesener Beitragvon HorstHip » 6. April 2017 11:31

Hallo,
ich habe die Lumbricus Rubellus und bin sehr zu frieden. Nach einigen Anfängerschwierigkeiten läuft der Kompost jetzt super, die Würmer vermehren sich prächtig und fühlen sich wohl.
Ich hab sie im Witter in einen Abstellraum auf halbe Treppe gestellt, da ich ihnen die frostigen Temperaturen nicht zumuten wollte.
Ich habe ein Stapelsystem. Leider ist es so, dass die Rubilus nicht nach oben wandern, was eine entnahme des Humuses sehr mühselig macht.Gerade die kleinen fühlen sich in der bereis gut zersetzen Masse besonders wohl.
+ sie hauen nicht ab
+ hab sie wieder nach draußen gestellt bei Tagsüber 5-15° und die kleinen sind sehr aktiv (im Gegensatz zu dem Eisenia Mix, den ich mir vor einigen Wochen bestellt und in eine weitere Kompostkiste gesetzt habe)
- sie graben auch unterirdische Gänge im Boden und verlassen daher nicht die unterste Etage. Grundsätlich macht es bei mir allerdings auch nichts sehr viel aus, da ich in mein Hochbeet eine Wurm-Röhre gebaut haben und die Würmchen, welche im Humus bleiben dort zuflucht finden können)

Bestellt habe ich die Würmer bei einem Händler im Österreich. https://www.rubellis.com/
(Der Lange Transport hat den kleinen nichts ausgemacht)
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Re: Eignung von Lumbricus rubellus für Wurmkompostierung?

Ungelesener Beitragvon Franca » 5. November 2017 02:10

Ich denke auch, dass der Lumbricus vorzüglichen Humus produziert - wenn er die richtigen Bedingungen hat. Bei mir im Garten verarbeitet gerade eine Heerschar dieser Würmer abgestochene Grassoden. Wenn ich irgendwo Würmer für einen Gartenkompost bestellen würde (brauche ich nicht, das Anlocken durch Kompostmaterial reicht), würde ich Lumbricus bestellen. Die Mistwürmer (Eisenida, Dendrobena) haben in Norddeutschland nicht viel zu lachen draußen - wenn man nicht größere Mengen Mist bereitstellen kann.
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Re: Eignung von Lumbricus rubellus für Wurmkompostierung?

Ungelesener Beitragvon Wurmbär » 5. November 2017 10:37

Hm,

in jedem Fall ist er preislich etwas günstiger als die anderen Arten.
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Re: Eignung von Lumbricus rubellus für Wurmkompostierung?

Ungelesener Beitragvon Franca » 5. November 2017 12:09

Ich finde es witzig, dass diese Art ja relativ standorttreu in Wohnröhren lebt, und andererseits aber auch bei feuchtem Wetter ausgedehnte Wanderungen unternimmt - manchmal sind die Radwege voll von wandernden Regenwürmern, und ich muss slalom fahren. Wissenschaftlich ist anscheinend noch nicht so ganz erforscht, warum sie an manchen Tagen extrem wandern. Ich werde mal darauf achten, ob nur geschlechtsreife Würmer wandern.

Auf einer Verkehrsinsel, die ich bearbeite, konnte ich eine Lumbricus-Massenvermehrung erzeugen, indem ich Unkraut in ca. 25cm tiefen Löchern vergraben habe. Wo ich vorher nur auf sehr wenige, mickrige Würmer gestoßen bin, tummeln sich jetzt größere Mengen und erzeugen besten Humus. Der Boden hatte bisher eine ganz schlechte Qualität - er besteht hauptsächlich aus Streusand und Reifenabrieb, aber das ändert sich jetzt dank der Bodenorganismen. Bei der langsamen Vermehrungsrate des Lumbricus gehe ich davon aus, dass auch ein größerer Teil eingewandert sein muss - allerdings liegt die Verkehrsinsel mitten auf einer mehrspurigen Straße. Wahrscheinlich muss ich dort immer wechselweise einen Teil des Beetes von Bewuchs freihalten (also nicht überall Stauden und Blumenzwiebeln pflanzen), damit ich dort das Unkraut für all die hungrigen Wurmmäuler vergraben kann.

Der Boden in meinem Kleingarten ist sehr schwer und lehmig. Ich werde mal damit experimentieren, abgestorbenes Pflanzenmaterial zu vergraben/in den Boden einzuarbeiten. Bin gespannt, wie stark sich die Tätigkeit des Regenwurms auf die Beschaffenheit des Bodens auswirkt. Bisher besteht der Boden aus verdichteter Erde, in der recht selten eine Wohnröhre sichtbar ist.
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Re: Eignung von Lumbricus rubellus für Wurmkompostierung?

Ungelesener Beitragvon Kiko63505 » 5. November 2017 13:36

Hallo in die Runde...
ich frage mich, ob Ihr derzeit über die gleiche Art von Würmern redet???
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Re: Eignung von Lumbricus rubellus für Wurmkompostierung?

Ungelesener Beitragvon Franca » 5. November 2017 14:01

Meinst Du, die Lumbricus-Sorte (rubellis) ist nicht die gleiche, die man im Garten und in der Natur findet ?
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Re: Eignung von Lumbricus rubellus für Wurmkompostierung?

Ungelesener Beitragvon Franca » 5. November 2017 14:34

Okay, hab mich mal ein bisschen eingelesen - Du hast recht - der Rubellus ist tatsächlich eine andere Spezies als der Terrestris :D nicht nur eine andere Sorte. Ich muss jetzt in meinem Garten mal die Würmer näher anschauen - wieviele sind die blasseren Lumbricus terrestris ? Wieviele sind tatsächlich rubellus, die auch vorkommen können (Gewässer/Angelteich ist in der Nähe) ?

Das, was ich über die Wurmwanderung geschrieben habe, betrifft dann wohl nur den Terrestris, oder macht der Rubellus das auch ?
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Re: Eignung von Lumbricus rubellus für Wurmkompostierung?

Ungelesener Beitragvon Kiko63505 » 5. November 2017 15:21

TEAM gebe ich jetzt einmal als Schlagwort vor…TEAM= Toll Ein Anderer Machts ggg.
Es ist nicht der Wurm der unsere Abfälle in Humus umwandelt, es sind all die vielen Lebensformen die als TEAM arbeiten und das alles ermöglichen. Wurm ist nicht gleich Wurm und jede Wurmart hat so seinen eigenen Lebensraum und genau dort verrichtet er seine Arbeit.
Ich möchte an dieser Stelle einfach einmal die Würmer in 2 Gruppen aufteilen, Gruppe 1 lebt auf der Erde, Gruppe 2 lebt in der Erde. Würmer, die auf der Erde leben (Kompostwürmer) können sich nicht im Erdreich eingraben, diese Fähigkeit geht Ihnen verloren. Für die Zwecke Komposterstellung eignen sich eigentlich nur die sogenannten Kompostwürmer.
Es ist also gar nicht so einfach, eine Wurmart zu benennen oder gar zu empfehlen, es kommt eben immer auf das Umfeld der Kompostgewinnung an.
Der Lumbricus rubellus, oder auch Laubwurm benannt, ist eigentlich ein Wurm, der sowohl als auch ist. Eingestuft ist er als Kompostwurm, aber er ist der einzigste Kompostwurm, der auch Röhren graben kann und der sowohl im Kompost als auch in der Erde leben kann.
Diese Erklärung sollte vorerst einmal langen, wer mehr wissen möchte sollte sich im Forum umsehen oder aber mal googln.

Zu den Wurmfluchten.... ein Kompostwurm folgt immer dem Futter. Sind die Bedingungen in einer Wurmfarm ok, wird ein Kompostwurm kaum flüchten.
in bester Absicht, euer Kiko63505

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Re: Eignung von Lumbricus rubellus für Wurmkompostierung?

Ungelesener Beitragvon Franca » 5. November 2017 15:41

Mit Wurmwanderung meinte ich nicht Wurmflucht - es ist ja sicher nicht der Lumbricus terrestris, der aus Wurmkisten flüchtet. Den kann man aber in der Natur gut beim Wandern beobachten (obwohl er zu der Gruppe gehört, die in der Erde leben). Bei Kompostwürmern (Eisenida, Dendrobena) ist es klar, dass sie direkt der Nahrung folgen, sie leben ja nicht in Wohnröhren und ziehen sich da Pflanzenmaterial hinein wie der Terrestris, sondern leben sozusagen in ihrem Nahrungssubstrat.

Ich denke schon, dass in kühleren Breiten auch der Lumbricus Terrestris als Kompostwurm wichtig ist, einfach, weil die Temperaturbedingungen für die eigentlichen Kompostwürmer da nicht optimal sind.
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