Wie entsteht Wurmtee?

Fragen und Antworten rund um den Kompostwurm.

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Wie entsteht Wurmtee?

Ungelesener Beitragvon Kiko63505 » 15. April 2012 20:44

Hallo in die Runde,

das Thema Wurmtee ist ein Thema, welches mich zwar fasziniert, aber welches ich nicht so recht begreifen kann. Möglicherweise sehe ich hier vor "lauter Wald die Bäume nicht mehr", oder aber ich bin einfach zu dumm um dieses Thema zu begreifen.
Wurmtee ist nichts anderes als Sickerwasser aus einer Wurmfarm und genau dieses Sickerwasser ist/soll ein wertvoller Flüssigdünger sein. Wertvoll kann ich jetzt nur bestätigen, denn von Zeit zu Zeit besprühe ich all meine Pflanzen mit diesem Wurmtee und den Pflanzen bekommt das sehr gut. Ich benutze diesen Wurmtee in sehr verdünnter Form als Blattdüngung, für die Bodendüngung benutze ich Wurmhumus. Meinen Wurmtee allerdings muss ich selbst herstellen, denn in meinen Farmen ist die Ausbeute an Wurmtee gleich Null.
Für die Herstellung nehme ich Wurmhumus und lasse diesen 24 Stunden, oder mehr, im Wasser ziehen. Das Wurmhumus- Wassergemisch wird öfters mal aufgeschüttelt, einfach damit sich die Inhaltsstoffe aus dem Wurmhumus besser lösen und verteilen können. Das ganze ist im Prinzip vergleichbar mit der Herstellung von Komposttee, auch Kompostwasser genannt, oder Pflanzenauszüge. Über deren Herstellung und deren Verdünnung gibt es genung Informationen, weshalb ich hier jetzt nicht näher eingehen möchte.

Das Internet als Informationsquelle ist eine tolle Sache, Informationen werden ausgetauscht wie auf einem Wochenmarkt. Durch das Internet sind mir mittlerweile einige Wurmfarmer bekannt und alle haben Wurmtee, ich scheine der einzige zu sein, bei dem kein Wurmtee anfällt. Das ganze ist jetzt nicht tragisch, aber es muss eine Erklärung für diesen Sachverhalt geben. Bisher war ich der Meinung, meine Farm wäre die Ursache dafür, meine Farm besteht zu 99,9% aus Vollholz. Holz hat Atmungaktive Eigenschaften und hierdurch kann Flüssigkeit in die Außenluft diffundieren. Diese Erklärung hatte für mich noch Gültigkeit bis zum letzten Herbst bzw. bis zu diesem Frühjahr.
Im letzten Jahr habe ich mit Wurm Experimenten angefangen, siehe Dendrobenaxperiment. Diese Experimente fanden ausschließlich in Eimern statt und diese waren aus Plastik. Nichts mit Atmungaktiv, aber leider auch nichts mit Wurmtee. Eine mögliche Ursache für fehlenden Wurmtee könnte im Inhalt der Eimer liegen, dieser besteht aus reinen Pferdeäpfeln und nicht wie gewohnt aus Rüstabfällen. Frische Rüstabfälle aus Küche und Garten können durchaus einen Wassergehalt von 90% und mehr haben. 90% Wassergehalt in den Rüstabfällen könnten jetzt eine Erklärung sein, in diesem Fall allerdings dürften an meiner Holzfarm doch deutliche Wasserspuren zu sehen sein, dem ist aber nicht so. Ich hatte zwar schon einmal Wasseraustritt an meiner Holzfarm, diese jedoch hatte eine mir bekannte Ursache. Die Ursache wurde ausgelöst durch zu viel frische Paprikaschoten, die alsbald anaerob wurden und zu stinken anfingen. So ganz nebenbei bescherten mir diese anaeroben Paprikaschoten noch eine Mückenplage. Beide Probleme konnte ich sehr schnell beheben und die Farm wurde in nur wenigen Tagen wieder trocken.
Meine Holzfarm, als auch die Experimentiereimer, muss ich regelmäßig mit einer Sprühflasche befeuchten und das selbst über die Wintermonate. In beiden Behältnissen ist das Substrat in der Tiefe zwar feucht und auch etwas fester, aber nicht nass. Ohne es jetzt zu 100% genau zu wissen, würde ich jetzt behaupten, das mein Substrat auch weiter unten noch aerob ist.

Wo also kommt der Wurmtee her, wie entsteht er? Ehrlich gesagt ich weiß es nicht genau! Nach langem lesen und dem Abgleichen der Informationen mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen allerdings habe ich für mich 2 Erklärungen gefunden. Diese Erklärungen allerdings müssen nicht zwangsläufig richtig sein, für mich allerdings haben sie im Moment einen hohen Stellenwert.

Die erste Möglichkeit könnte Fäulnis sein, also anaerobe Verhältnisse.
Zu Beginn meiner Komposterzeit hatte ich viel zu kämpfen mit nassem und stinkenden Kompost. Urschache hierfür waren immer anaerobe Verhältnisse, was ich aber zu den Anfangszeiten kaum wusste und noch weniger beachtet hatte. Anaerob bedeutet Fäulnis und Fäulnis ist immer mit zu viel Feuchtigkeit anzutreffen. Anaerob in einer Wurmfarm muss nicht zwingend mit Geruch einhergehen, zumindest nicht wenn es sich hierbei um kleinere anaeroben "Inseln" im Substrat handelt.
Viele von uns kennen das... hat man doch ein Lebensmittel oder einen Salat im Kühlschrank oder sonst wo vergessen, nasses matschiges stinkendes lacht einem dann entgegen. Anaerobe Bakterien haben sich auf dem Lebensmittel breit gemacht, das Ergebnis ist Gestank und Wasser.
Meine Komposter und meine Wurmfarmen liefern seit knapp 2 Jahren gutes Substrat, wobei Komposter und Wurmfarm keine oder kaum Feuchtigkeit abgeben, im Gegenteil, ich muss beides bewässern. Optimaler Feuchtegehalt im Substrat liegt bei ca. 60%. Für mich bedeutet dass allerdings, das aerobe Zersetzung Wasser verarbeitet bzw. im Substrat speichert. Die Folge ist lockerer Kompost und lockerer Wurmhumus.

Die zweite Möglichkeit könnte das C/N Verhältnis sein.
Viele Wurmfarmer füttern neben den Rüstabfällen Papier, was eigentlich auch gut ist. Papier allerdings besteht aus Holz und ist somit auch ein Kohlenstofflieferant, (Kohlenstoff = C). Der Papieranteil zum Futter kann 1 drittel des Futters ausmachen, diese Papiermenge als Zusatzfutter wird sogar von Wurmspezialisten empfohlen.
Ich gehe jetzt davon aus, dass das C/N Verhältnis sehr weit auseinander geht, vermutlich größer als 35:1, wobei 35:1 ein sehr gutes Ausgangsverhältnis darstellen dürfte. Ein zu viel an Kohlenstoff muss von den Bakterien verarbeitet werden, hierfür allerdings fehlt Stickstoff (N). Steht den Bakterien der benötigte Stickstoff nicht zur Verfügung, so wird der Kohlenstoff von den Bakterien "veratmet". Diese veratmen von Kohlenstoff allerdings erzeugt Wasser als Abfallprodukt und dieses veratmen dauert solange bis wieder Stickstoff zur Verfügung steht. Die Folge könnte dann ein sehr nasses Substrat bedeuten. Zuviel an Wasser dürfte letztendlich als Wurmtee die Farm wieder verlassen. Zu Viel an Wasser allerdings könnte anaerobe Verhältnisse in einer Wurmfarm begünstigen, was wir allerdings nicht wollen.
Stimmt nun meine Vermutung?
Oftmals liest man das eine Wurmfarm zu nass ist, als erste Hilfemaßnahme liest man sofort "Papier in die Farm geben", diese saugt die Flüssigkeit auf. Wenn meine obige Vermutung stimmt, so wäre dieser Tipp absolut falsch, denn das Papier würde nur anfänglich das Wasser aufsaugen.

Alles nur Vermutungen? Jetzt seit Ihr drann mich auf den richtigen Weg zu bringen.
in bester Absicht, euer Kiko63505

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